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Inhaltsangabe

Brenda Ann Kenneally schreibt über ihre Arbeit zu “Back on The Block”:

“1996 zog ich von Miami, Florida nach Brooklyn, New York, um meinen Master in Fotografie an der New York University (NYU) zu machen. Meine Ausbildung erhielt ich allerdings nicht in den Hörsälen der Universität, sondern auf den Straßen meiner neuen Nachbarschaft. In den sieben Jahren, die ich an der Grenze von Bushwick und Bedford-Stuyvesant wohnte, fotografierte und filmte ich die Familien in meinem Viertel und schrieb über sie. Meine Dokumentation führte schließlich zu einem Buch und einer Online-Reportage: „Money Power Respect – Pictures from my Neigborhood”.

2002 kaufte ich ein Haus in der Nähe der Orte, an denen ich die Fotos gemacht hatte. Ich begann an anderen Projekten zu arbeiten, fotografierte und filmte aber weiterhin die Familien aus meinem Buch. Die Jahre nach der Veröffentlichung von „Money Power Respect“ waren entscheidend im Leben der Kinder, die an der Grenze zum Erwachsenwerden standen, und für ihre Eltern, die dem Abgrund immer gefährlich nah waren.

Heute glaube ich, dass „Money Power Respect“ nur dazu diente, meine Nachbarn der Öffentlichkeit vorzustellen, die eigentliche Geschichte sich aber erst nach der Veröffentlichung des Buches entwickelte. Ich fühle mich also dafür verantwortlich, die Entwicklung der Geschichten, die ich in meinem Buch begonnen hatte, weiterzuerzählen. Das Internet eröffnet mir dabei die Möglichkeit, Geschichten zu veröffentlichen, die noch nicht abgeschlossen sind. Das Ergebnis ist in eine Serie von Kurzfilmen unter dem Namen „Back on The Block“:

Teil 1: Andy & Tata

Am Tag, als seine Mutter Tata eine Nachricht erhielt mit dem Vorwurf, sie habe ihre Erziehungspflicht verletzt, war der achtjährige Andy in seinem Viertel bereits eine Legende.

Andy, jener wuschelhaarige Straßenjunge, der mit seinem Rad fünf Leute überspringen konnte, ein leerstehendes Gebäude in ein Asyl für ein Dutzend streunender Hunde verwandelte und auf Augenhöhe mit einigen der jungen, gerissenen Drogendealern war, die vor dem Laden an der Ecke mit seiner Mutter Geschäfte machten.

Tatas ausschweifende Geschichten sind im Viertel legendär: Ihre Gabe, den Drogenfahndern zu entwischen; ihr Talent, einen Asthmaanfall überzeugend genug vorzutäuschen, um sie von den Handschellen zu befreien; ihre Ablehnung Autoritäten gegenüber, selbst in Form eines bewaffneten Dealers, dessen Crack sie geraucht hatte anstatt es zu verkaufen – all das trug Andy einen Ruf ein, der ihn schon bekannt machte, bevor er laufen lernte.

Teil 2: Tatas Engel

Tata war schon seit 15 Jahren mitten in den Anti-Drogen-Krieg der Vereinigten Staaten verstrickt, als sie ein Jahrzehnt Freiheit opferte, um ihrem Mann während der letzten Tage im Kampf gegen den Leberkrebs beizustehen.

Teil 3: Besuch bei Tata

Tata traf Angel in einer Rehabilitation für Drogensüchtige, nachdem sie wegen Dealens verhaftet wurde. Mit dem Dealen finanzierte sie ihre eigene Abhängigkeit. Aufgrund ihres langen Strafregisters wurde ihr für den Fall, dass sie das zweijährige Behandlungsprogramm vorzeitig abbräche, eine fünf- bis zehnjährige Freiheitsstrafe angedroht.

Tatas Glück, die wahre Liebe ihres Lebens gefunden zu haben, stellte sie vor harte Herausforderungen.

Denn als Angel nach seiner tödlichen Diagnose vorzeitig aus dem Programm entlassen wurde, entschied sich Tata, bei Angel zu bleiben, um mit ihm jeden noch verbliebenen Augenblick verbringen zu können, bevor er starb. Diese Entscheidung kostete Tata einige Jahre ihrer Freiheit.

Teil 4: Andys Erziehung

Als Andys Mutter Tata das erste Mal ins Gefängnis kam, weil sie zur Finanzierung ihrer Sucht Crack verkauft hatte, wurde sie zum Opfer des Krieges gegen die Drogen.

Das war in den 80er-Jahren, und Gouverneur Rockefeller verschärfte als Antwort auf die allgemeine politische Stimmung die Gefängnisstrafen im Staate New York. Schon der Besitz von Crack konnte nun eine lebenslange Strafe zur Folge haben.

Tatas Verhaftung zerstörte Andys Kindheit. Eines Tages kam er von der Schule nach Hause und erfuhr, dass seine Mutter für vier Jahre nicht da sein würde.

10 Monate später brachte ihn chronisches Schuleschwänzen vor einen Psychiater der Schulbehörde. Die offizielle Diagnose: “Schulphobie”. Andy weigerte sich, am Unterricht in der Schule teilzunehmen oder den ganzen Tag zu bleiben – wenn er es überhaupt in die Schule schaffte. Man erklärte, das dies ein häufiges Verhalten bei Kindern sei, die ein häusliches Trauma erleben. “Kinder sorgen sich um ihre Eltern, wenn sie nicht in deren Nähe sind, und fühlen sich zu Hause gebraucht, um sie zu beschützen,” sagte der Doktor.

Schließlich trug ihm seine unrühmliche Schulkarriere einen Aufenthalt in einer Jugendhaftanstalt im Norden des Staates New York ein, fünf Stunden entfernt von seiner Familie in Brooklyn. Die 18 Monate, die er in dieser Einrichtung verbrachte, und die drei sporadischen Jahre in der New Yorker Grundschule, bilden Andys kompletten akademischen Werdegang. Heute, mit 20, ist die nach so vielen Tragödien erworbene Überlebensfähigkeit seine Art der Erziehung.

Teil 5: Ein Sabbatleben

“A Gap Life”, der Kurzfilm über Andys Werdegang als junger Erwachsener, ist ein Dokument über die Folgen, den die öffentliche Ordnung auf Andy und allgemein auf junge Generationen ausübt in einem Amerika, das mit seinem Justizsystem die sozialen Diskriminierungen aufrecht erhält.

Mit 23 ist Andy selbst Vater einer dreijährigen Tochter. Sie wurde geboren, als seine eigene Mutter im Gefängnis war und unmittelbar nach dem fünften Todestag seines Vaters. Andys Kindheit, die durch den Einfluss von Kinderschutzorganisationen und des Justizsystems zerrissen wurde, ist der Grund für seinen Wunsch, es bei seiner eigenen Tochter besser machen zu wollen.

Die Jahre vergingen, und die Suche nach Arbeit und einem Sinn im Leben führten Andy mit Hilfe eines Truckerfreundes auf eine Reise quer durch das eigene Land und zu einem zeitweiligem Aufenthalt bei Verwandten im Süden. Sein Schwur, nie mehr in seinem Block “herum zu hängen”, entwurzelte ihn aus dem einzigen Leben, das ihm wirklich vertraut war.

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Über den Autoren

Brenda Ann Kenneally arbeitet als Dokumentaristin im Grenzbereich zwischen Kunst und Journalismus. Ihre Langzeitprojekte, die sie mit den Medien Fotografie, Film und Interview umsetzt, sind intime Portraits der sozialen Situation in ihrer unmittelbaren Umgebung. In ihren Filmen verschwimmt bewusst die Grenze zwischen dem politisch Dokumentarischen und dem Privaten.

Das Internet bietet ihr die Möglichkeit, Geschichten mit offenem Ende zu erzählen und damit die persönlichen Geschichten in einen historischen und längeren gesellschaftlichen Zusammenhang zu setzen. Brenda Ann Kenneally hat mit der Produzentin Laura Lo Forti die Internetplattform „The Raw File“ gegründet.

Brenda Ann Keneallys Arbeiten wurden mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit W. Eugene Smith Award, Soros Criminal Justice Fellowship, Mother Jones Award, Canon Female Photojournalist Award, Getty Images Grant for Editorial Photography und einem World Press Photo Award. Ihre vom The New York Times Magazine beauftragte Arbeit über den ersten Jahrestag von Hurricane Katrina wurde für den Pulitzer Preis nominiert.

Brenda Ann Keneally lebt mit ihrem Sohn in Brooklyn, New York.

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